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Nach Umfragen bei deutschen Veranstaltern und Touristikern vor Ort heißen die Gewinner des vergangenes Jahres Peru, Chile und Brasilien. Alle Länder gerieten indes in den Sog der Ereignisse in den USA zum Schaden wie zum Nutzen. |
| Gesine Froese (CariLat.de) |
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"Eigentlich war 2001
jedes Land Südamerikas ein Gewinner", sinniert Norbert Salcher,
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Lateinamerika in Deutschland,
"denn durch die Ereignisse des 11. Septembers sind die Probleme und
Problemchen, mit denen sich jedes Land in Lateinamerika herumzuschlagen
hat, plötzlich relativiert worden." Die Haverie eines Öltanker im
Nationalpark Galápagos, entführte Deutsche in Kolumbien, ein sich
politisch isolierendes Venezuela, ein verheerender Brand in Lima,
Währungskrise in Argentinien - Südamerika war auch 2001 nicht gerade
arm an "Problemen". Nach den Anschlägen in den USA aber
scheinen sie in der Tat das kleinere Übel gewesen zu sein. Jutta Zenner
von Southamerican Tours (SAT): "Anstelle Ägyptens oder Israels
wurde auf Peru gesetzt, anstelle der USA auf Brasilien oder
Städtereisen in Südamerika." Auch vor Ort registrierte man
Kurswechsel. Rolf Tambke von Santarém Tur in Brasilien: "Die Route
verschiedener Kreuzfahrtschiffe wurde nach Südamerika verlegt." Schon machte sich zum Teil unverhohlene Hoffnung breit, längerfristig von der neuen Angst beim Nordatlantik-Tourismus zu profitieren. So verkündete Embraturdirektor Caio Luiz Carvalho nur wenige Tage nach den Anschlägen, Brasilien könne sich als friedliche Destination einbringen. Denn: "Von gezielten terroristischen Attacken auf Touristen ist Brasilien bislang verschont geblieben." Das "Land der traumhaften Strände und sehr guten Hotelsresorts" (TUI-Sprecher Robin Zimmermann) unternahm in den vergangenen Jahren große Anstrengungen, seine touristische Infrastruktur aufzupolieren. Allein die Privatwirtschaft investierte rund sechs Milliarden Dollar, unter anderem in den Bau von 300 Hotels. Für Europäer wurde es durch die Überbewertung des Dollars ausgesprochen preiswert. Dazu gute Flugverbindungen wie ein zusätzlicher Charter-Direktflug an die Costa do Sauipe: Alles berechtigte zu den schönsten Hoffnungen. Tatsächlich entwickelte sich Brasilien zumindest im Südamerika-Programm der TUI zum absoluten Renner. Zimmermann: "Das Land zeichnet insbesondere durch die Kombination von Erleben und Baden aus. Hier steckt auch die Kernkompetenz der TUI auf der Fernstrecke." Die aktuellen Zahlen der World Tourism Organization (WTO) aber sprechen eine andere Sprache. Danach kamen 2001 insgesamt acht Prozent weniger Auslandsgäste nach Brasilien. Als Ursachen nennt die WTO Faktoren, die weltweit das Wachstum des Tourismus bremsten: eine schwierige weltwirtschaftliche Situation, die durch die Ereignisse am 11.September noch verschärft wurde. Übertroffen wird das Minus Brasiliens nur noch von Argentinien, das bei vielen europäischen Veranstaltern ohnehin als schwieriges Zielgebiet gilt. Nach dem 11. September setzte hier noch die hausgemachte Währungskrise zu. Miller Reisen berichtet von "vielen Stornierungen und besorgten Kunden". Das Ergebnis: Neun Prozent weniger Besucher und bislang wenig Hoffnung auf Erholung. Am stärksten in die argentinischen Währungskrise hinein gezogen wurde Uruguay (-4%), gehört Punta del Este doch zu den liebsten Urlaubsnahzielen der Argentinier. Paraguay, in diesem Punkt unmittelbarer Konkurrent Uruguays, kam indes mit einem blauen Auge davon, Denn das Land entdeckten die Europäer neu, freilich erst nach einem verstärkten Marketing. Friedhelm Angersbach, Inhaber des Hotel Westfalenhaus in Asunción: "Zwölf der großen deutschen Reiseanbieter haben sich endlich mal Paraguay angeschaut." Auf die übrigen Länder Südamerikas wirkten sich allerdings weder der 11. September noch die Währungskrise Argentiniens aus. Ob sie 2001 Besucher gewannen oder verloren, das können sie sich jetzt überwiegend sich selbst zuschreiben. Schlechter denn je steht Kolumbien da. Das von militärischen Auseinandersetzungen geschüttelte Land gilt bei vielen Veranstaltern als "nicht mehr verkaufbar" (Miller Reisen). Avianca und Lufthansa stellten ihre Verbindungen ein. "Leider", klagt die Inhaberin von Bienvenidos Turismo Ltda in Bogotá, schließlich gäbe es nach wie vor Ziele im Land, wo man vom Kriegszustand Kolumbiens so gut wie nichts spürt: das Unesco-Weltkulturgut Cartagena, die Karibikziele Santa Marta und San Andrés Islas, das Amazonasgebiet und durchaus auch die Städte Bogotá und Medellín mitsamt ihrer Umgebungen. Ecuador schadete die Einführung des Dollars. Manuela Bodenmüller (Miller Reisen): "Sehr schade das Land ist zu teuer geworden!" Der Tourismus stagnierte auch schon vor dem Ausbleiben der Amerikaner. Etliche Reiseagenturen mussten schließen. Tilo Korneck, Inhaber des Hotels El Alcantilado an der Pazifikküste: "Der Konkurrenzkampf ist härter geworden, aber der Service dadurch auch besser." Von der politischen Situation zeichnet Werner Silberstein im Quito-Büro des GALEXTUR - Hotel Angermeyer in Galápagos, ein düsteres Bild. "Ecuador leidet", so analysiert er, "unter vielen aufgeschobenen Problemen, die durch den US-Dollar eher verschärft wurden." Stark nachgelassen hat die Nachfrage nach Venezuela. Jutta Zenner (SAT): "Ein genauer Grund ist nicht auszumachen. Sicherlich gibt es Berichte über hohe Kriminalität in Caracas, aber ansonsten ist das Land ja sehr ruhig und preisgünstig." Für viele Veranstalter liegt der Sympathieverlust am autokratischen Regierungsstil von Präsident Hugo Chávez. "Die Hauptursache ist wohl", meint dagegen der Vorsitzende der ARGE Lateinamerika, "dass man vor vielen Jahren einen Tourismus ins Land holte, der für viele Destinationen der Welt ein deckungsgleiches Phänomen aufweist. Wenn diese bestimmte Besucherschicht das Land bereist hat, zieht es sie zu neuen Ufern." Als "teilweise problematisch", z.B. von Miller Reisen, wird noch Bolivien angesehen. Die Andenrepublik im Herzen Südamerikas erhielt zwar 2001 für die gelungene Entwicklung von der Diktatur zur Demokratie den Karl-Bertelsmann-Preis. Unruhen aber beeinträchtigten zeitweise die Abwicklung von Pauschalreisen, vor allem die Straßenblockaden von Cocabauern im Altiplano und im Chapare wegen der von den USA geforderten Cocavernichtung. Individualreisende aber hielt das nicht ab. " Weiterhin reisen Scharen von jugendlichen Rucksacktouristen durch Bolivien, Tendenz steigend", beobachtete Reinhild Margarita von Brunn, Inhaberin einer PR- und Werbeagentur in La Paz, "allein 24.000 Traveller zogen monatlich durch San Juan del Rosario an der Touristenstrecke Salar de Uyuni-Chile." Insgesamt hat sich die Infrastruktur in Bolivien verbessert. In nahezu allen elektrifizierten Mittel- und Kleinstädten findet man jetzt Telefonkabinen und Internet-Cafes, es gibt neue Hotels und Lodges z.B. im Urwaldort Rurrenabaque und am Rio Quiquibey. Außerdem wurden die wichtigen Grenzstraßen repariert. La Paz-Arica sind nun in acht und La Paz-Cuzco in sieben Stunden zu bewältigen. Zum Teil neu entdeckt wurden Länder, in die sich bislang kaum Touristen verirrten, wie die Guyanas, Suriname oder die Falkland-Inseln. Claudia Langer, Inhaberin der S.T.O. Swiss & Suriname Travel Organisation im schweizerischen Freienwil, berichtet "trotz minimaler Promotion" von einem erfreulichen Zuwachs bei ihren Reisen nach Suriname. Der Aufwärtstrend spiegelt sich auch in künftig höheren Flugkapazitäten wider: Ab Sommer 2002 wird Suriname fünf Mal wöchentlich ab Amsterdam angeflogen. Im Euroland Französisch Guyana hofft man indes, wenigstens für 2002 von der Einführung des Euro in Europa zu profitieren. Praktisch von Null auf Hundert konnten dagegen die wieder für Kreuzfahrt-Veranstalter interessant gewordenen Falkland-Inseln ihr Gästeaufkommen steigern. Dort setzten allein über 400 deutsche Passagiere zu Landgängen über und 2002 werden rund 600 erwartet. Stark im Kommen ist Chile. Miller Reisen verzeichnete für 2001 ein unerwartetes Plus von 20 Prozent, SAT eröffnete sogar ein eigenes Büro vor Ort. Bei Akzente Tours lobt man die Professionalität und Flexibilität der Geschäftspartner sowie die gute Werbung und Fluganbindung von LanChile. SAT: "Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt." Der Hit des Jahres 2001 aber war Peru, der Kulturklassiker Südamerikas. Manche Veranstalter, so z.B. Fischer South America, schwärmen gar von einem regelrechten "Peru-Boom". Investitionen und verstärkte Promotion ausländischer Firmen wie z.B. von Orient Express, aber auch die allgemeine Verbesserung der Hotelinfrastruktur und ein ebenfalls sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis brachten das Land nach vor. Dazu gilt Peru mit seiner neuer Regierung und seinem neuen Tourismus-Minister Ramiro Salas (früher Avianca-Deutschland) ziemlich einhellig als das südamerikanische Land mit den besten Wachstumsaussichten. Einig ist man sich aber auch im Ärger über den Rückzug der Lufthansa aus Lima. Salcher: "Wie will man Tourismus machen, wenn der Transportweg im Argen liegt?" |
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Stand: 09. May 2002