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Diplom-Landschaftsökologin und GIZ-Mitarbeiterin Katrin
Münch aus Norddeutschland (links) im Gespräch mit
Lesbia Martinez aus dem Ort Santa Lucia (rechts) |
CariLat.de/ November 2011. Katrin Münch aus dem Raum Stade hat ihre Jugend im überschaubaren Flachland des Elbe-Weser-Dreiecks verbracht. Heute
reist sie für nach-haltiges Wirtschaften von ihrem Büro in Tegucigalpa auch in die Berge und einsamen Urwälder von Honduras. Ihr Kollege Holger
Afflerbach mag es auch ländlich. Früher hat er im Sauerland mal Kühe gemolken. Heute unterstützt er Ureinwohner auch bei der Produktion von Kaffee und
Pflegecremes.
Wer Wasser und Wald schützt und nachhaltig wirtschaftet, hilft nicht nur der Natur, sondern auch seinem Geldbeutel und dem Tourismus.
Das unterstützen die 30-jährige Katrin Münch aus Norddeutschland und Lesbia Martinez aus Honduras. Die Einheimische hantiert an diesem sonnigen
Vormittag mit Töpfen und Holzscheiten an einem Küchenherd aus Stein, der Flammen und Hitze geschlossen unter einer Metallplatte hält. «Ich brauche nur
noch drei oder vier lange Scheite, um zwei Stunden lang zu kochen.» Die 49-Jährige aus Santa Lucia, eine knappe Stunde Busfahrt von Tegucigalpa
entfernt, benötigte früher an ihrer offenen Kochstelle das Drei- und Vierfache an Holz. Diplom-Landschaftsökologin Katrin Münch sagt: «Dieser Ecofogón
(Ökoherd) findet großen Anklang.» Die Miniversion kostet etwa zehn US-Dollar, die größte mit langem Abzugsrohr etwa 100.
Gefeuert wird der Herd mit Bruchholz, das Familien für sich zum Eigenbedarf oder Verkauf sammeln. Gas- oder Stromherd kann sich auf dem
Lande kaum einer leisten. Lesbia Martinez sagt zu den Vorzügen der Öko-Kochstelle: Viele Nachbarn sind neugierig, wollen auch einen Ecofogón.» Das ist
auch ein Erfolgserlebnis für die Norddeutsche. Katrin Münchs Arbeitgeber, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), früher GTZ,
fördert den Einsatz von Ökoherden im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Schon als Kind in Heimatdorf Gräpel unweit der Hansestadt Stade ist Katrin Münch der Natur verbunden. «Das Haus meiner Familie steht im
Obstgarten der Großeltern, darum herum Weiden, Rinder und Wälder, alles ist grün und flach», erzählt die 30-Jährige. «Der nahe Deich der Oste ist
immerhin so dreieinhalb Meter hoch.» 1999 reiste Katrin Münch zum Schüleraustausch nach Guatemala. «Da sah ich das erste Mal einen Tropenwald.» Sie
erlebte hautnah den Reichtum der üppigen Natur und die Gefährdung durch den Menschen. Heute ist ihr Büro im GIZ-Haus in der Hauptstadt von Honduras.
Manche Dörfer im riesigen Schutzreservat Rio Plátano im Nordosten von Honduras kann die GIZ-Crew nur im Geländewagen und kleinem
Propellerflugzeug oder Boot erreichen. Nach Wampusirpe ist es eine Tagesreise. Die Ureinwohner wie Misquito, Tawahka und Pech sind sehr naturverbunden.
Auch sie leiden unter illegalen Rodungen von Spekulanten und Betrieben der Holzverarbeitung. Runde Tische und verstärkte Kontrollen der Regierung sollen
helfen.
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Eine Galerie in Tegucigalpa zeigt Design, Kunstgewerbe und Kunst. Zur
Basis dieser Produkte gehört ein spezieller Rindenbast (Tuno), der Ureinwohner als Kleiderstoff diente. Aus Tuno entstehen heute auch Bezüge,
Wandteppiche und Kunstartikel. |
Clarabel Maybeth aus Wampusirpe betont: «Wir Ureinwohner nutzen unseren Wald
nachhaltig. Unsere Dörfer sind weit weg. Der Marktzugang für unsere Produkte ist schwierig.» Señora Maybeth ist Präsidentin der Kooperative «Nuestra
Ayuda» (Unsere Hilfe). Die Männer arbeiten meist mit Holz und Kakao. «Wir Frauen wollten Alternativen finden», sagt sie. Spezieller, vorsichtig
abgeschälter Rindenbast diente als Kleiderstoff und wird Tuno genannt. Heute entstehen daraus Bezüge, Wandteppiche und Kunstartikel. «Die GIZ hilft bei
der Vermarktung», erläutert Katrin Münch. Die honduranische Designerin Regina Aguilar hat einige Tuno-Artikel so gut veredelt, dass sie in Frankfurt am
Main auf der Fachmesse Paperworld präsentiert wurden und Käufer in Deutschland gefunden haben.
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Holger Afflerbach inspiziert mit Mitarbeiterin Zoila
Patricia Cruz Kaffeepflanzen auf einer Farm
im Umland von Tegucigalpa. |
Auch Münchs Kollege Holger Afflerbach (39) arbeitet - im Auftrag eines
Consulting-Unternehmens - im GIZ-Büro und kennt sich im Urwald aus. Es geht nicht nur um die Förderung nachhaltiger Ressourcennutzung, sondern auch um
lokale wirtschaftliche Entwicklung. Ökologischer Kaffeeanbau, Naturfasern, Nussfrüchte, traditionelle Öle, neue Seifen, Pflegemittel – das Potenzial ist
groß für die Einheimischen. «Wir sind keine Besserwisser, sondern Partner und helfen zur Selbsthilfe», erläutert der Agrarökonom der Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften.
In Bad Berleburg in Wittgenstein im Hochsauerland erblickte Afflerbach das Licht der Welt. Er sagt: «Ich wuchs auf dem Bauernhof auf
zwischen Kühen, Schweinen und Ackerbau, habe auch Heu eingefahren und kann mit der Mistgabel umgehen.» Später lockte die Entwicklungszusammenarbeit.
Nach dem Studium in Bonn und Hohenheim mit Auslandseinsätzen in Afrika und Costa Rica ging es bei Afflerbach schnell nach oben. Er arbeitete auch schon
für Großbritannien, EU und Weltbank. In Honduras hat der Deutsche alle Hände voll zu tun. Durch Wasserschutz, nachhaltige Land- und Forstwirtschaft
erzielen heute Kleinbauern, Zweckverbände und Kommunen oft attraktive Gewinne. «Dadurch entstehen Krankenstationen, Schulen und bessere
Trinkwasserversorgung», sagt der Deutsche.
Er lebt mit Frau und Kindern in Tegucigalpa, eine gefährliche Stadt mit viel Gewalt. Afflerbach: «Fast alle Einheimischen sind sehr
freundlich und hilfsbereit.» Doch leider gebe es gefährliche Ausnahmen. Die 14-jährige Kaya und der 13 Jahre alte Joshua sind auch schon Globetrotter.
Ehefrau Anke aus dem Raum Stuttgart sowieso. Der Mann aus NRW hat die heutige Agrarökonomin in Sri Lanka bei der Arbeit «zwischen
Kokosnuss-Schälmaschinen und Solartrocknern kennengelernt», wie er schmunzelnd erzählt. Und Sohn Joshua erzählt stolz: «In China habe ich im
Kindergarten auch Mandarin gelernt.» Damals ging es für seinen Vater um einen Auftrag im südchinesischen Bergland. Heute lebt die Familie in Tegucigalpa
in einem geschützten Viertel mit üppigem Grün und exotischen Blüten.
Zurück zum Job: Afflerbach sagt: «Die Leute in Honduras fangen an umzudenken, was Naturschutz und Nachhaltigkeit betrifft.» Ökonomische
Anreize und alternative Einkommensquellen fördern Ehrgeiz und Ideen. Wer versteht, dass ein Hektar Kaffeeplantage zehnmal mehr Gewinn bringt als ein
Hektar mit Viehwirtschaft, der sattelt um. Zwischen den Kaffeepflanzen wachsen schattenspendende Fruchtbäume – dies fördert die Artenvielfalt und bringt
weiteres Einkommen.
«Viele Familien in der Moskitia-Region produzieren auch wertvolles Öl aus Nussfrüchten», berichtet GIZ-Mitarbeiter Milton Herrera, ein
Hondureño. «Diese Familien bringen wir mit blinden Frauen aus Tegucigalpa zusammen, die Seife machen und Öl benötigen, um wertvolle Pflegemittel wie
Cremes herzustellen.» Der Einheimische versucht seinen Landsleuten immer wieder zu erklären: «Waldschutz und Nachhaltigkeit hilft allen: Der Natur, den
Menschen, dem Geldbeutel und auch dem Tourismus, der intakte Landschaften will.»
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